Holger Pfister, Vice President DACH, SUSE

Stimmen aus der Jury

Im Gespräch mit Holger Pfister, Vice President DACH von SUSE

Herr Pfister, SUSE richtet den Open Source Wettbewerb gemeinsam mit Capgemini nun schon im zweiten Jahr aus. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Deutlich besser, als wir bei der Premiere hoffen konnten. Im ersten Jahr gingen 42 Beiträge ein, in diesem Jahr sind es 65. Wenn ein Wettbewerb in einem Jahr um über 50 Prozent wächst, trifft er einen Nerv. Verwaltungen treten mit ihren Open-Source-Projekten inzwischen selbstbewusst an die Öffentlichkeit, und genau das wollten wir erreichen. Für SUSE ist das Engagement naheliegend. Wir wurden 1992 in Franken gegründet und beweisen seit über 30 Jahren, dass sich mit offener Software ein Weltmarktunternehmen aufbauen lässt. Open Source eröffnet dem Wirtschaftsstandort Deutschland enorme Chancen, denn jeder Euro, der in offene Lösungen fließt, hält Wertschöpfung und Kompetenz im Land. Der Wettbewerb macht sichtbar, wo die Verwaltung diese Chancen schon nutzt.

Sie sind zugleich Mitglied unserer Jury. Worauf haben Sie bei den Einreichungen besonders geachtet?

Auf die Rechnung, die hinter einem Projekt steht. Die Kriterien fragen nach dem ökonomischen Nutzen, von der Kostenersparnis durch geringere Lizenz- und Infrastrukturaufwände bis zum Beitrag zur Förderung des Technologiestandorts. Mich überzeugt ein Projekt, wenn es ehrlich rechnet, also auch Betriebskosten und Migrationsaufwände offenlegt, statt nur die gesparten Lizenzen zu feiern.

Wie groß der Hebel sein kann, zeigt Schleswig-Holstein. Das Land vermeidet durch seinen Umstieg 15 Millionen Euro an zusätzlichen Lizenzgebühren, bei einmaligen Investitionen von neun Millionen, die zudem im eigenen Digitalstandort bleiben. Im vergangenen Jahr durfte ich Digitalminister Schrödter dafür den Sonderpreis für Strategie und Leadership überreichen. Einen vergleichbaren Ansatz wünsche ich mir aus jedem Bundesland und diverse Einreichungen in diesem Jahr argumentieren bereits genauso nüchtern.

Was hat sich im Umfeld des Wettbewerbs in diesem Jahr verändert?

Vor allem die Rechtslage. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages haben in einem Gutachten festgestellt, dass Behörden Open Source in Ausschreibungen vorgeben dürfen, wenn sie es sachlich begründen und dies aus Wirtschaftlichkeitsgründen im Einzelfall sogar geboten sein kann. Damit ist ein Mythos erledigt, der Vergabestellen jahrelang gebremst hat. Viele Teams im Wettbewerb mussten ihre Entscheidung für Open Source intern lange verteidigen, jetzt können sie auf den Bundestag verweisen. Was noch fehlt, ist Tempo in der Fläche.

Unsere aktuelle Studie zur digitalen Resilienz zeigt, dass Souveränität für die große Mehrheit der IT-Verantwortlichen hohe Priorität hat und zunehmend in Ausschreibungen auftaucht, aber nur etwa die Hälfte setzt entsprechende Maßnahmen tatsächlich um. Der Wettbewerb wirkt genau auf diese Lücke. Er zeigt der zögernden Hälfte an 65 Beispielen, dass die andere längst liefert.

Was tut sich aktuell bei SUSE, das für Verwaltungen relevant ist?

Wir arbeiten an dem, was Behörden am dringendsten brauchen: Planbarkeit. Unser im November erschienenes SUSE Linux Enterprise 16 unterstützen wir bis 2035, mit Optionen bis 2041. Keine Behörde will alle drei Jahre migrieren und mit einem solchen Horizont lassen sich Haushalte verlässlich planen. Beim Support gehen wir denselben Weg. Im Sovereign Premium Support arbeiten ausschließlich Ingenieure mit Sitz in der EU und die Diagnosedaten bleiben verschlüsselt. Das wirkt wie ein Detail, ist aber inzwischen eine der ersten Fragen, die uns Behördenvertreter stellen. Damit dieses Wissen auch bei den Dienstleistern ankommt, mit denen Verwaltungen täglich arbeiten, haben wir im Frühjahr eine eigene Souveränitäts-Spezialisierung in unserem Partnerprogramm gestartet.

All das dient demselben Zweck: Verwaltungen sollen sich langfristig auf Open Source verlassen können. Wie gut das bereits funktioniert, zeigen die Finalisten, die am 15. Oktober auf der Smart Country Convention auf der Bühne stehen. Auf diesen Moment freue ich mich jetzt schon.

Link zur SUSE-Studie: https://www.suse.com/navigating-digital-resilience-2026/