Institution: Staatskanzlei Schleswig-Holstein

Projektname: AI Enterprise Low Code Plattform (A12)

Schleswig-Holstein entwickelt mit A12 AI Enterprise Low Code Plattform eine offene Alternative zu proprietären Entwicklungswerkzeugen und schafft damit die Grundlage für eine digitale, souveräne und nachnutzbare Verwaltungsmodernisierung.

Die Landesverwaltung baut ein Low-Code-Kompetenzcenter im Zentralen IT-Management der Staatskanzlei auf. Mitarbeitende aus Ressorts und Behörden werden befähigt, als Citizen Developer ohne klassische Programmierkenntnisse eigene Fachanwendungen zu entwickeln. Mehrere Ressorts nutzen A12 bereits zur Modellierung eigener Verfahren.

Mit A12 werden schrittweise über 100 Microsoft-Access-basierte Fachverfahren abgelöst. Die Plattform verbindet Low-Code-Entwicklung mit einem iterativen Vorgehen und wird souverän über Dataport betrieben. Damit wird sie zu einem festen Bestandteil des digitalen Landes-Stacks.

Ein zentraler Schwerpunkt ist die digitale Souveränität: Nach Abstimmung mit Verwaltungspartnern und dem Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) wurden zentrale Bestandteile von A12 2026 unter der EUPL-1.2-Lizenz als Open Source auf openCode und GitHub veröffentlicht – inklusive Quellcode, Dokumentation und Entwicklungswerkzeugen. Dadurch können Verwaltungen und Dienstleister die Plattform unabhängig weiterentwickeln und betreiben.

Durch die offene Bereitstellung entsteht aus einer Landeslösung ein nachnutzbarer Baustein für die föderale Verwaltungsdigitalisierung. Schleswig-Holstein stärkt damit Transparenz, Nachhaltigkeit und die gemeinsame Nutzung moderner Entwicklungsinfrastrukturen über Verwaltungsgrenzen hinweg.

Plattformebene: A12 verbindet modellbasierte Softwareentwicklung mit professioneller Softwareentwicklung und unterstützt die Integration komplexer IT-Landschaften sowie den Einsatz künstlicher Intelligenz. KI-Funktionalitäten treiben die Entwicklung A12-basierter Fachanwendungen spürbar voran: integrierte Modellnutzung in Fachverfahren und konsequente Unterstützung von KI-gestützter Entwicklung (Agentic Coding) beschleunigen Prozesse und eröffnen neue Potenziale für die öffentliche Verwaltung. Die Anbindung an bestehende Systeme erfolgt über offene, standardisierte Schnittstellen und fördert die Interoperabilität im öffentlichen Sektor.

Verwaltungsebene: Das landesweite Low Code-Kompetenzcenter im Zentralen IT-Management der Staatskanzlei (ZIT) ist ein neues Organisationsmodell – Schulung und eigenständige Umsetzung durch Citizen Developer ohne Programmierkenntnisse, dauerhaft institutionell verankert statt projektgebunden. A12 hat sich bereits seit Jahren in sicherheitskritischen und hochkomplexen Anwendungen der öffentlichen Verwaltung bewährt, unter anderem bei ELSTER – dem zentralen Online-Steuerportal Deutschlands. Diese Reife trägt das Vertrauen für den Einsatz in der allgemeinen Landesverwaltung.

Kostenreduktion und Budgeteffizienz: Die Ablösung proprietärer Werkzeuge reduziert die Abhängigkeit von Microsoft-Lizenzen – ein bundesweit wachsender Kostenblock. Da A12 unter EUPL 1.2 verfügbar ist, entfallen Plattform-Lizenzgebühren; Investitionen fließen in Umsetzung und Betrieb statt in Lizenzen.

Ressourceneinsparung durch Eigenentwicklung: Citizen Developer modellieren und deployen Fachverfahren eigenständig. Das senkt die Bindung an externe Entwicklungskapazität, verkürzt Durchlaufzeiten und reduziert den manuellen Aufwand bei wiederkehrenden Verfahren.

Multiplikatoreneffekt durch Nachnutzung: Der größte wirtschaftliche Hebel liegt in der Vermeidung von Doppelentwicklung. Fachmodelle, die in Schleswig-Holstein entstehen, können im Rahmen rechtlicher und organisatorischer Gegebenheiten von anderen Ländern und Kommunen übernommen werden, statt vergleichbare Verfahren mehrfach unabhängig zu finanzieren.

Talentförderung und Wissenstransfer: Das Low Code-Kompetenzcenter baut Open-Source- und Modellierungskompetenz dauerhaft innerhalb der Verwaltung auf und stärkt über openCode zugleich die heimische IT-Industrie und das Open-Source-Ökosystem. So entstehen im öffentlichen Sektor neue Qualifikationsprofile rund um Low-Code und Open Source, statt Wissen und Wertschöpfung dauerhaft an einzelne externe Anbieter zu verlagern.

Die Nachhaltigkeit dieses Projekts ist institutionell, technologisch und lizenzrechtlich abgesichert.

Open Source als Nachhaltigkeitsfaktor: Mit der Veröffentlichung zentraler Bestandteile von A12 unter EUPL 1.2 hängt die langfristige Verfügbarkeit der Plattform nicht allein von der wirtschaftlichen Entwicklung eines einzelnen Unternehmens ab. Quellcode und Dokumentation können von der Community sowie von anderen Verwaltungen und Dienstleistern weiterentwickelt und gepflegt werden.

„Digitale Souveränität ist Voraussetzung für einen handlungsfähigen Staat. Das ZenDiS stellt mit openCode die dafür notwendige Infrastruktur. Auf der Plattform können Verwaltungen föderal übergreifend Open-Source-Software weiterentwickeln und nachnutzen. Dass mgm A12 unter EUPL 1.2 öffnet, ist genau die Art von Commitment, die wir uns von Technologieanbietern für den öffentlichen Sektor wünschen.“ – Leonhard Kugler, Geschäftsführer ZenDiS

Plattformreife: A12 ist die größte deutsche Low-Code-Plattform und hat sich seit Jahren in sicherheitskritischen Anwendungen wie ELSTER bewährt. mgm bleibt zudem dauerhafter Maintainer; Dataport hat ein eigenes A12-Kompetenzteam aufgebaut.

Nachnutzung als Strategie: Schleswig-Holstein strebt an, dass die im Projekt entstehenden Ergebnisse deutschlandweit anderen Verwaltungen zur Nachnutzung bereitgestellt werden. Gemeinsam mit mgm und ZenDiS wird zudem eine Integration von A12 in den Deutschland-Stack angestrebt.

Institutionelle Verankerung: Das Low Code-Kompetenzcenter verankert die Eigenentwicklungsfähigkeit dauerhaft – neue Ressorts und Verfahren werden aufgenommen, ohne das Grundmodell zu verändern.

Lizenz- und Rechtssouveränität: Quellcode und Dokumentation von A12 sind unter EUPL 1.2 verfügbar. Die European Public License gewährleistet Rechtssicherheit innerhalb der EU, fördert Weiterentwicklung durch Dritte und stärkt die technologische Unabhängigkeit von proprietären Einzelanbietern.

Vermeidung von Vendor-Lock-in: Quellcode, Datenmodelle und Schnittstellen liegen offen vor. Fachverfahren werden in offenen, dokumentierten Modellen abgebildet und über standardisierte APIs angebunden – Land und Dataport sind dadurch nicht auf den Hersteller mgm als einzige Wartungs- und Weiterentwicklungsoption angewiesen, sondern können die Plattform bei Bedarf auch mit anderen Partnern fortführen.

Souveräner Betrieb: Der Betrieb erfolgt in Rechenzentren von Dataport – das schafft die infrastrukturelle Basis für eine länderübergreifende Nachnutzung durch weitere Dataport-Trägerländer, statt jede Verwaltung einzeln auf proprietäre Infrastruktur zu verweisen.

Strategische Einordnung: Die Ablösung der Access-Fachverfahren ist Teil der konsequenten Umstellung des Landes auf einen digital souveränen IT-Arbeitsplatz. Die Öffnung von A12 verankert die Plattform im europäischen Open-Source-Ökosystem und rückt sie in die Nähe des Deutschland-Stacks – eine gemeinsame Perspektive von Schleswig-Holstein, mgm und dem ZenDiS.

„Die Öffnung von A12 leistet einen konkreten Beitrag zur digitalen Souveränität in Deutschland und Europa.“ – Hamarz Mehmanesh, Geschäftsführer mgm technology partners