Institution: InnoLab_bw des Staatsministeriums Baden-Württemberg
Projektname: F13
Projektbeschreibung
F13 ist eine souveräne Open-Source-KI-Assistenz für die öffentliche Verwaltung. Baden-Württemberg begann bereits Anfang 2022 – noch vor ChatGPT – mit der Entwicklung im InnoLab_bw des Staatsministeriums. Leitprinzip war von Beginn an die digitale Souveränität: KI sollte sicher, transparent und unabhängig von außereuropäischen Hyperscalern nutzbar sein.
Seit Juli 2025 steht F13 über openCode des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS) als Open Source bereit und wird länder- und behördenübergreifend weiterentwickelt. Anders als proprietäre KI-Lösungen setzt F13 auf einen modularen, modell-agnostischen Baukasten aus Microservices. Behörden können eigene Funktionen ergänzen, ohne die Kernarchitektur verändern zu müssen.
Die Skalierbarkeit zeigt sich bereits in mehreren Anwendungsfällen: Das Saarland entwickelte eine Open-Source-Erweiterung zur Transkription von Audiodateien, die gemeinsam mit dem Projekt KIRKE der Polizei Baden-Württemberg weiterentwickelt wird. Auch SCHULE@BW nutzt F13 seit 2025 als Basis und erweitert die Plattform um Bildgenerierung. Damit zeigt sich, dass F13 nicht auf einen einzelnen Verwaltungsbereich begrenzt ist, sondern als gemeinsame Infrastruktur für unterschiedliche Einsatzszenarien funktioniert.
Rund um F13 ist eine wachsende Open-Source-Community entstanden, an der Landes- und Bundesbehörden, öffentliche IT-Dienstleister, Entwickler:innen und Unternehmen beteiligt sind. Beiträge erfolgen über Code, reale Anwendungserfahrungen und gemeinsam finanzierte Erweiterungen. Die Entwicklung folgt transparenten Prozessen mit dokumentierten Contributing Guidelines, gemeinsamer Roadmap und definierten Qualitätssicherungen.
Gesteuert wird F13 durch einen Kreis zentraler Public-Sector-Partner aus Baden-Württemberg und dem Saarland. Dadurch entsteht keine isolierte Behördenlösung, sondern eine föderale KI-Infrastruktur, die gemeinsam getragen, weiterentwickelt und von weiteren Verwaltungen nachgenutzt werden kann. F13 zeigt damit, wie Open Source und digitale Souveränität einen skalierbaren Einsatz von KI in der Verwaltung ermöglichen.
Der Quellcode ist auf openCode.de unter MPL 2.0 öffentlich verfügbar. F13 folgt damit konsequent dem Prinzip „Public Money, Public Code“: Einmal mit öffentlichen Mitteln entwickelt — dauerhaft für alle nutzbar. Projektseite und Dokumentation sind unter https://f13-os.de/ erreichbar, der Quellcode unter https://gitlab.opencode.de/f13/.
Beschreiben Sie den technischen Innovationsgrad des Projektes und den Beitrag zur Verwaltungsmodernisierung.
Die technische Innovation von F13 liegt in der konsequent modularen Microservice-Architektur. Die einzelnen Services — etwa Recherche, Chat oder Zusammenfassung — sind über klar definierte Schnittstellen entkoppelt. Das macht F13 konfigurier- und erweiterbar: Behörden docken eigene Services an, ohne die bestehende Basis zu verändern. Konkreter Beleg im Verwaltungskontext ist die Saarland-Erweiterung um einen Transkriptions-Service — lokal entwickelt, anschließend allen Mitnutzenden zur Verfügung gestellt. Dass dieselbe Architektur auch außerhalb der klassischen Verwaltung trägt, zeigen die Einsätze bei SCHULE@BW (Bildgenerierung) und bei der Polizei BW im Projekt KIRKE.
Ein zentraler Fortschritt für die Verwaltungsmodernisierung ist die Fähigkeit, generative KI vollständig innerhalb eigener oder souveräner Infrastruktur zu betreiben — inklusive GPU-basierter Modell-Inferenz mit Open-Weight-Sprachmodellen. Datenschutz, Sicherheit und Nachvollziehbarkeit werden damit nicht nachträglich konfiguriert, sondern sind architektonisch verankert: Sensible Verwaltungsdaten verlassen die kontrollierte Umgebung zu keinem Zeitpunkt. Damit wird auch die Verwendung interner Daten und die Integration in bestehende Verwaltungswerkzeuge — etwa Textverarbeitung und E-Mail — auf einer souveränen Basis möglich.
F13 ist in der Landesverwaltung Baden-Württembergs etabliert und wird im täglichen Arbeitsablauf der Mitarbeitenden genutzt. Das Saarland folgt diesem Ansatz: Seit Anfang Juni 2026 ist F13 im MWIDE produktiv im Einsatz; die übrigen obersten Landesbehörden folgen ab Spätsommer 2026. Die modulare Architektur und die Open-Source-Lizenzierung ermöglichen die gemeinsame Weiterentwicklung über Behörden- und Bundeslandgrenzen hinweg.
Welchen ökomischen Nutzen hat das Projekt?
Der ökonomische Mehrwert von F13 entsteht durch systematische Skalierung, gemeinsame Nutzung und die konsequente Anwendung des Prinzips „Public Money, Public Code“: Einmal entwickelte Funktionen stehen allen Verwaltungseinheiten zur Verfügung und müssen nicht mehrfach finanziert werden. Öffentliche Investitionen entfalten so eine nachhaltige, systemübergreifende Wirkung — die Hebelwirkung zeigt sich in der Reichweite: Allein in Baden-Württemberg erreicht F13 über die Landesverwaltung, SCHULE@BW und die Polizei BW etwa 185.000 Nutzende; weitere Bundesländer (Saarland, Thüringen) und der Bund (Auswärtiges Amt auf PLAIN) bauen darauf auf.
Anstelle von Parallelentwicklungen durch einzelne Behörden ermöglicht F13 die Wiederverwendung von Komponenten, Funktionen und Integrationen. Entwicklungskosten werden geteilt, Innovation verbreitet sich deutlich schneller. Konkret zeigt sich das beim Saarland-Transkriptionsservice: in einer Behörde initiiert und als Open Source bereitgestellt — und damit für die Nachnutzung durch andere Häuser offen. Auch die durch SCHULE@BW finanzierte Bildgenerierungs-Erweiterung steht als Open-Source-Komponente für weitere F13-Einsätze bereit.
Gleichzeitig reduziert F13 operative Aufwände im Arbeitsalltag. Aufgaben wie Recherche, Zusammenfassung oder Wissensaufbereitung können effizienter erledigt werden, was Mitarbeitende entlastet und Bearbeitungszeiten verkürzt.
Ein weiterer wirtschaftlicher Vorteil liegt in der Reduktion laufender Betriebskosten gegenüber proprietären Cloud- und KI-Angeboten. Durch den Betrieb auf eigener oder gemeinsamer Infrastruktur sowie die flexible Wahl der Sprachmodelle — von Open-Weight bis kommerziell — lassen sich Lizenz-, Nutzungs- und Datenübertragungskosten gezielt steuern. Organisationen behalten die volle Kontrolle über Skalierung und Kostenentwicklung. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber stark nutzungsbasierten Modellen kommerzieller Cloudanbieter.
Beschreiben Sie die Nachhaltigkeit der Lösung.
F13 ist als langfristig tragfähige KI-Verwaltungsinfrastruktur angelegt — nicht als kurzfristiges Projekt.
Die modulare Architektur ermöglicht es, einzelne Komponenten kontinuierlich weiterzuentwickeln oder auszutauschen, ohne das Gesamtsystem zu destabilisieren. Wechselt etwa das verwendete Sprachmodell, betrifft das nur die Inferenz-Ebene. F13 bleibt damit anpassungsfähig gegenüber technologischen Veränderungen.
Die Weiterentwicklung wird langfristig durch eine aktive Open-Source-Community getragen, die von einem Steuerungskreis mehrerer Public-Sector-Partner verantwortet wird. An der Weiterentwicklung beteiligen sich über die Trägerschaft hinaus Forschungseinrichtungen, beispielhaft das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) über die Saarland-Anbindung. Der F13-OS-Quellcode ist die Referenzversion und wird auf dem GitLab von openCode.de bereitgestellt (https://gitlab.opencode.de/f13/microservices). Alle Weiterentwicklungen und Ergänzungen zum Code durchlaufen eine Continuous-Integration-Pipeline, bevor sie veröffentlicht werden — das sichert technische Qualität als Basis für den nachhaltigen Betrieb.
Auch in der Organisation wirkt F13 nachhaltig: Grundlegende Schulungskonzepte (Kurzanleitungen, FAQs, Prompting-Leitfäden) stehen allen Interessierten der OS-Community zur Verfügung und werden gemeinsam genutzt. In Baden-Württemberg wurden zur Einführung begleitende Webinare mit rund 1.000 Teilnehmenden durchgeführt; das Saarland bietet regelmäßige Sprechstunden als niedrigschwelliges Austauschformat. So wird F13 nicht nur technisch, sondern auch in der Anwender-Kompetenz nachhaltig verankert.
Ressourcenseitig wirkt F13 durch Wiederverwendung, gemeinsame Entwicklung und Modell-Wahlfreiheit: kleinere, energieeffizientere Open-Weight-Modelle können dort eingesetzt werden, wo sie ausreichen. F13 etabliert damit einen nachhaltigen Ansatz für digitale Innovation in der Verwaltung — geprägt von Kontinuität, Kooperation & langfristiger Nutzbarkeit.
Wie trägt das Projekt zur Stärkung der Digitalen Souveränität bei?
Der Markt für generative KI wird von ausländischen Anbietern dominiert, die Kunden an ihre Software und Infrastrukturen binden. Um Vendor Lock-Ins und Abhängigkeiten von externen Cloud-Lösungen zu vermeiden, gehört die technologische Grundlage für KI-Anwendungen in die Hand der öffentlichen Verwaltung. Wie greifbar diese Abhängigkeit ist, zeigte der US-Export-Stopp für die Modelle Fable 5 und Mythos 5 von Anthropic im Juni 2026: Internationale Verwaltungen verloren über Nacht den Zugang.
Aus dieser Überzeugung heraus hat die F13-OS-Community F13 zu einer vollständig quelloffenen, modularen und anbieteroffenen KI-Plattformsoftware entwickelt. Der Quellcode steht auf openCode.de dauerhaft der gesamten Verwaltung zur Verfügung und wird gemeinschaftlich weiterentwickelt, geprüft und gepflegt. Neue Funktionen lassen sich flexibel ergänzen, als Eigenentwicklung oder als Angebot von Software-Unternehmen.
Souveränität wird in F13 als geschichtete Architektur mit vier eigenständig gestaltbaren Ebenen umgesetzt:
- Anwendungssoftware — F13 selbst, Open Source unter MPL 2.0
- Frameworks und Orchestrierung — mehrere Open-Source-Frameworks im Einsatz (Haystack, LangChain, LangGraph u. a.), frei austauschbar
- Sprachmodelle — modell-agnostisch; Open-Weight wie kommerzielle Modelle auf eigener Infrastruktur betreibbar
- Hosting und Betrieb — On-Premises, GPU-fähige Endgeräte oder souveräne deutsche Cloud (z. B. BITBW)
Jede Behörde entscheidet selbst, wie tief die Souveränität gehen soll — statt einer einzelnen Vendor-Entscheidung erhält die Verwaltung vier strategische Hebel. F13 ist das einzige verwaltungsnahe KI-Assistenz-System, das diese vier Hebel mit einer Multi-Stakeholder-Trägerschaft verbindet — ohne proprietäre Lizenz, ohne Hyperscaler-Pflicht, ohne Anbieter-Bindung. Damit wird F13 zum strategischen Instrument, das staatliche Handlungsfähigkeit im digitalen Raum langfristig sichert.
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