Institution: Staatskanzlei Schleswig-Holstein und Senatskanzlei Hamburg

Projektname: KERN

KERN ist ein offener, modularer UX-Standard für die deutsche Verwaltung. Er ermöglicht die nutzendenzentrierte und barrierefreie Entwicklung digitaler Verwaltungsangebote über alle föderalen Ebenen hinweg.

Herzstück ist das KERN Design-System, das Gestaltungsvorlagen und plattformunabhängige Code-Bausteine bereitstellt, um Verwaltungsleistungen schnell, einheitlich und barrierefrei umzusetzen. Implementierungen reichen von reinem HTML/CSS über Web Components bis zu Adaptern für gängige Frameworks wie React, Angular oder Vue. Der Code wird nach dem Prinzip „Public Money? Public Code!“ als Open Source veröffentlicht.

Durch KERN werden Designbrüche reduziert, Qualität gesteigert und digitale Angebote staatlich wiedererkennbar. Das stärkt das Vertrauen der Nutzenden und erleichtert es Umsetzungs-Teams, konsistente und effiziente Lösungen zu entwickeln.

Die Entwicklung erfolgt communityzentriert: Eine bundesweite Fachcommunity aus Designer:innen, Entwickler:innen und Verwaltungsverantwortlichen gestaltet KERN kontinuierlich weiter. Ergänzend unterstützt das Projekt durch Dokumentationen, Onboarding-Angebote, Workshops, Sprechstunden und einen aktiven Wissensaustausch.

KERN adressiert zentrale Herausforderungen der Verwaltungsdigitalisierung: Fragmentierte Oberflächen, mangelnde Wiedererkennbarkeit staatlicher Angebote und schwankende Usability. Mit seinem offenen, partizipativen Ansatz schafft KERN eine gemeinsame Grundlage für barrierefreie, moderne und vertrauenswürdige digitale Verwaltungsservices.

Der KERN UX-Standard ist ein bedeutender Fortschritt für die digitale Verwaltung in Deutschland. Als modular aufgebautes, komplett Open-Source-basiertes Designsystem mit Fokus auf Barrierefreiheit, Interoperabilität und Nutzerzentrierung adressiert KERN zentrale Herausforderungen der föderalen Verwaltungsdigitalisierung.

Technologisch überzeugt KERN durch eine basisnahe Umsetzung in HTML/CSS ohne Abhängigkeiten sowie die flexible Integration in bestehende Systeme. Weitere Umsetzungen in Angular, Vue, React und TYPO3 werden gerade gemeinsam mit der Community entwickelt, was hohe Plattformvielfalt und Zukunftsfähigkeit sichert.

KERN fördert die Verwaltungsmodernisierung durch wiederverwendbare UI-Komponenten, die Kosten senken und Entwicklungszeiten verkürzen. Barrierefreiheit „by Design“ und einheitliche UX-Standards verbessern die Qualität der Angebote, erhöhen Vertrauen und Akzeptanz bei Bürgern. Die Community-basierte Entwicklung garantiert Praxisnähe und kontinuierliche Verbesserung, während moderne Tools und klare Vorgaben die Verwaltung als Arbeitgeber attraktiver machen. KERN zeigt exemplarisch, wie föderale Digitalisierung mit einem offenen, interoperablen UX-Framework effektiv vorangebracht werden kann.

Das Projekt KERN schafft erheblichen ökonomischen Nutzen für die öffentliche Hand durch Effizienzsteigerungen, Standardisierung und Skalierbarkeit. Als Open-Source-UX-Standard entstehen keine Lizenzkosten, und IT-Dienstleister können auf eine gemeinsame Ressource statt eigene Design-Systeme zurückgreifen. Wiederverwendbare UI-Komponenten und Templates ermöglichen schnellere, konsistente Online-Dienste über föderale Ebenen hinweg und senken Entwicklung sowie Wartungskosten.

In Großbritannien werden durch das dort eingesetzte Designsystem von GOV.UK jährlich über 19 Mio Euro eingespart.
Der Community-Ansatz bündelt Know-how, vermeidet Doppelarbeit und steigert die Ressourceneffizienz. Indirekt führt KERN zu höherer Nutzungsrate digitaler Verwaltungsangebote durch bessere Qualität und Barrierefreiheit, was physische Behördengänge sowie Personal- und Betriebskosten reduziert. Zudem erleichtert KERN das Onboarding neuer Mitarbeitender – wichtig im Kontext des Fachkräftemangels.

Die Nachhaltigkeit der KERN UX-Standard-Initiative zeigt sich technisch, organisatorisch und strukturell. Als Open-Source-Projekt unter „Public Money, Public Code“ bietet KERN eine langfristig nutzbare, lizenzkostenfreie Basis für nutzerzentrierte digitale Verwaltungsangebote. Die Umsetzung in HTML/CSS ohne Abhängigkeiten sowie die Unterstützung vieler Plattformen (React, Angular, Vue, TYPO3, Blazor) macht KERN technologisch langlebig und flexibel integrierbar.

Ein wesentlicher Baustein ist das langfristige Governance-Modell: Ab 2027 soll KERN als offizielles Produkt des IT-Planungsrats an die FITKO übergeben werden. Diese strukturelle Verankerung sichert Pflege, Weiterentwicklung und strategische Steuerung auf föderaler Ebene.

Ökonomisch spart KERN durch wiederverwendbare Komponenten, standardisierte Prozesse und gemeinsame Grundlagen Entwicklungsaufwand, Schulungen und reduziert Reibungsverluste. Neue Mitarbeitende werden schneller eingearbeitet, was Fachkräftesicherung unterstützt. Der Community-Ansatz auf Plattformen wie openCode und Figma gewährleistet nachhaltigen Wissenstransfer und kontinuierliche, transparente Weiterentwicklung als lebendiges System.

KERN stärkt die digitale Souveränität des Staates, weil es als offener Standard frei zur Verfügung steht. Damit behält der Staat die volle Kontrolle über die Grundlagen seiner digitalen Lösungen und ist nicht auf proprietäre Anbieter angewiesen.

Durch einheitliche Oberflächen und Bedienmuster lassen sich alle digitalen Verwaltungsleistungen konsistent gestalten und Fachverfahren oder Software-Komponenten leichter austauschen. So werden Abhängigkeiten von einzelnen Dienstleistern reduziert und Lock-in-Effekte vermieden, während die Nutzererfahrung über föderale Ebenen hinweg einheitlich bleibt.

Besonders wichtig ist, dass KERN bestehende Abhängigkeiten von veralteten Diensten mit schlechter Nutzererfahrung aufbricht. Mit einem gemeinschaftlich entwickelten, modernen Standard kann die Verwaltung ihre digitalen Angebote kontinuierlich modernisieren, skalieren und verbessern – und so ihre Handlungsfähigkeit langfristig sichern.