Institution: Stadt Gütersloh

Projektname: Urban Stack

Der Urban Stack ist eine offene, kommunale Digitalplattform, die von der Stadt Gütersloh entwickelt wurde. Ziel ist es, Kommunen eine gemeinsame digitale Grundlage für Datenmanagement, Anwendungen, Prozesse und Zusammenarbeit bereitzustellen. Statt vieler isolierter Einzellösungen entsteht ein nachnutzbares Ökosystem, das Kommunen gemeinsam weiterentwickeln können.

Ausgangspunkt waren typische Herausforderungen der kommunalen Digitalisierung: steigende Datenmengen, Fachkräftemangel, komplexere Prozesse und der Bedarf an standardisierten, sicheren Lösungen. Der Urban Stack geht dabei über eine reine Datenplattform hinaus und verbindet technische Infrastruktur, Anwendungen und organisatorische Zusammenarbeit.

Die Plattform wird als modulare Open-Source-Software-as-a-Service-Lösung betrieben. Sie basiert auf modernen DevOps- und DevSecOps-Prinzipien, wird in einem deutschen, ISO-27001-zertifizierten und C5-konformen Rechenzentrum betrieben und ermöglicht mehreren Kommunen eine gemeinsame Nutzung bei gleichzeitig getrennter Datenhaltung und Rechteverwaltung.

Der Urban Stack besteht aus drei zentralen Bereichen: Der Urban Data Hub schafft eine gemeinsame Datenbasis mit Schnittstellen, Datenbanken und Identitätsmanagement. Der Urban Gov Hub unterstützt Verwaltung und Fachbereiche mit Analysen, Dashboards und Werkzeugen für datenbasierte Entscheidungen. Der Urban Citizen Hub stellt Informationen, Beteiligungsangebote und digitale Services für Bürgerinnen und Bürger bereit. Ergänzend ermöglicht ein Marktplatz für City Tools die einfache Nachnutzung weiterer Anwendungen.

Besonders wichtig ist der Open-Source- und Gemeinschaftsansatz: Lösungen müssen nicht mehrfach entwickelt werden, sondern können von Kommunen gemeinsam genutzt, angepasst und weiterentwickelt werden. Der Urban Stack wird bereits von mehreren Kommunen eingesetzt und zeigt damit, wie digitale Souveränität und interkommunale Zusammenarbeit praktisch umgesetzt werden können.

Der Urban Stack steht für ein neues Verständnis kommunaler Digitalisierung: weg von einzelnen Insellösungen hin zu einer offenen, skalierbaren Infrastruktur, die Daten, Anwendungen und Menschen miteinander verbindet und Kommunen langfristig handlungsfähiger macht.

Technisch innovativ ist der Urban Stack, weil er Open-Source-Komponenten als mandantenfähige SaaS-Infrastruktur in einer einheitlichen Oberfläche zusammenführt. Damit wird Open Source für Kommunen direkt nutzbar: Die Grundfrage, wie Betrieb, Wartung, Updates und Weiterentwicklung einer Lösung organisatorisch/personell geleistet werden sollen, stellt sich nicht in jeder Kommune neu, weil diese Leistungen zentral mitgedacht und bereitgestellt werden. Darin liegt ein wesentlicher Innovationssprung: Open Source wird nicht nur als Code, sondern als einsatzfähige Infrastruktur für den Verwaltungsalltag angeboten.

Der Urban Stack verbindet Datenintegration, Analyse, Visualisierung, Open Data, Community-Funktionen und erweiterbare Anwendungen in einem gemeinsamen Ökosystem. Er setzt damit heute zentrale Prinzipien des Deutschland-Stacks um, insbesondere Modularität, Interoperabilität und die gemeinsame Nutzung digitaler Bausteine über kommunale Grenzen hinweg. Die Architektur ist schnittstellenoffen angelegt, sodass Fachverfahren, Datenquellen oder IoT-Anwendungen standardisiert angebunden werden können. Zugleich unterstützt das Rechte- und Rollenkonzept die Integration in bestehende Strukturen und den Aufbau von Data-Governance-Prozessen.

Ein Innovationsbaustein sind die City Tools: ein kommunaler Marktplatz für nachnutzbare Anwendungen. Einmal integrierte Lösungen können von weiteren Kommunen per Konfiguration übernommen und genutzt werden, ohne die Kernarchitektur zu verändern. So können Kommunen Anforderungen gemeinschaftlich definieren, vorhandene Lösungen in der Community prüfen und neue Entwicklungen gebündelt voranbringen. Interkommunales Arbeiten ist damit in der Architektur verankert – bei gleichzeitig voller Datenhoheit der einzelnen Kommune. Der Urban Stack modernisiert Verwaltung daher nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch: weniger Silos, mehr Standardisierung, schnellere Nachnutzung und eine datengetriebene Zusammenarbeit im Verwaltungsalltag.

Der ökonomische Nutzen des Urban Stack liegt vor allem darin, dass er die Logik paralleler Einzellösungen durch eine gemeinschaftlich nutzbare Infrastruktur ersetzt. In vielen Kommunen entstehen für ähnliche Anforderungen immer wieder vergleichbare technische Grundlagen, eigene Betriebsstrukturen und separate Weiterentwicklungen. Diese doppelten Entwicklungen binden finanzielle Mittel, erschweren den Überblick über Systeme und erzeugen langfristig hohe Folgekosten. Der Urban Stack setzt genau hier an: Digitale Bausteine werden einmal entwickelt und können anschließend von mehreren Kommunen genutzt, angepasst und weiterentwickelt werden. Dadurch werden Doppelentwicklungen vermieden, Ressourcen gebündelt und Skaleneffekte erzielt.

Ein weiterer wirtschaftlicher Vorteil liegt in der zentralen Bereitstellung als SaaS-Lösung. Betrieb, Wartung, Updates und Weiterentwicklung müssen nicht in jeder Kommune einzeln organisiert und personell abgesichert werden, so wird gemeinschaftliche Nutzung ermöglicht. Das entlastet gerade Kommunen mit begrenzten IT- und Fachressourcen und reduziert den Aufwand vor Ort deutlich. Gleichzeitig sinken die Einstiegshürden, da keine zusätzliche Hard- oder Software aufgebaut werden muss und der Urban Stack direkt im Browser nutzbar ist. So wird Open Source nicht nur nachnutzbar, sondern auch wirtschaftlich praktikabel.

Ökonomischer Nutzen entsteht zudem durch bessere Übersichtlichkeit und eine tragfähige Weiterentwicklungslogik: Statt vieler isolierter Systeme entsteht eine gemeinsame digitale Grundlage, die laufend weiterentwickelt wird und auch kleinere Kommunen einbindet. Ab 2027 ist dafür ein transparentes, faires Preismodell vorgesehen, das sich an den Rahmenbedingungen der Kommunen orientiert. So verbindet der Urban Stack Kosteneffizienz, Planbarkeit und gemeinsame Wertschöpfung in der kommunalen Digitalisierung.

Der Urban Stack ist als langfristig tragfähige digitale Infrastruktur konzipiert. Ziel war es, eine Grundlage zu schaffen, welche mit kommunalen Anforderungen wächst und von mehreren Kommunen gemeinsam genutzt und weiterentwickelt werden kann. Durch seine modulare und multimandantenfähige Architektur ist der Urban Stack erweiterbar und skalierbar: Neue Funktionen, Anwendungen und Kommunen können schrittweise eingebunden werden, ohne die Grundstruktur neu aufbauen zu müssen.

Nachhaltigkeit bedeutet beim Urban Stack jedoch nicht nur Zukunftsfähigkeit, sondern auch die Verankerung in der Verwaltungspraxis. Deshalb verbindet das Projekt Technik und Menschen miteinander. Die Einführung und Nutzung der Lösung werden durch Lernangebote, Schulungen, Arbeitsgruppen, Mitgliederversammlungen und weitere Austauschformate begleitet. So entsteht nicht nur eine technische Plattform, sondern ein belastbares Ökosystem, in dem Wissen geteilt, Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsame Standards entwickelt werden. Das erhöht die Nutzbarkeit im Alltag und unterstützt die Akzeptanz in den Verwaltungen.

Ein wesentlicher Nachhaltigkeitsfaktor liegt zudem in der Entwicklung aus der Kommune heraus. Der Urban Stack wurde nicht losgelöst von der kommunalen Praxis entworfen, sondern aus realen Bedarfen entwickelt. Dadurch entsteht direkter Kompetenzaufbau in der Verwaltung selbst, und Wissen bleibt nicht ausschließlich bei externen Dienstleistern, sondern wird in den Kommunen verankert. Das stärkt die langfristige Handlungsfähigkeit der beteiligten Verwaltungen.

Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, angespannter Haushaltslagen sowie des hohen Handlungs- und Zeitdrucks in Kommunen schafft der Urban Stack eine zukunftsfähige Grundlage. Er reduziert doppelte Aufwände, erleichtert die gemeinschaftliche Weiterentwicklung und ermöglicht es Kommunen, digitale Lösungen dauerhaft, ressourcenschonend und anpassungsfähig zu nutzen.

Der Urban Stack stärkt die digitale Souveränität von Kommunen, weil er technologische Unabhängigkeit, Datensouveränität und eigene Gestaltungsfähigkeit zusammenführt. Jede Kommune behält jederzeit die volle Hoheit über ihre Daten, Zugänge und Konfigurationen. Gleichzeitig können die angeschlossenen Kommunen selbst entscheiden, welche Anwendungen sie nutzen, wie sie diese konfigurieren und welche Governance-Regeln sie innerhalb des Ökosystems definieren. Digitale Souveränität bedeutet im Urban Stack daher nicht nur, Open-Source-Software einzusetzen, sondern digitale Infrastruktur so bereitzustellen, dass Kommunen handlungsfähig bleiben und ihre Digitalisierung aktiv steuern können.

Dazu trägt die offene und anpassbare Architektur wesentlich bei. Der Urban Stack ist modular erweiterbar und kann auf neue fachliche, technische und organisatorische Anforderungen reagieren. Aktuell wird beispielsweise ein KI-Stack vorbereitet, der direkt an das bestehende Ökosystem anschließen kann. Offene Schnittstellen und die Orientierung an einschlägigen Standards für urbane Datenplattformen sorgen dafür, dass keine abgeschlossene Insellösung entsteht, sondern eine anschlussfähige Infrastruktur, die mit kommunalen Anforderungen mitwächst.

Auch der Betrieb unterstützt digitale Souveränität: Die Infrastruktur wird in Deutschland in ISO-27001-zertifizierten und C5-konformen Rechenzentren betrieben. Damit verbindet der Urban Stack hohe Sicherheits- und Datenschutzanforderungen mit einer offenen Open-Source-Architektur und reduziert Abhängigkeiten von proprietären Einzellösungen.

Digitale Souveränität verstehen wir dabei bewusst weiter. Sie betrifft nicht nur Systeme und Daten, sondern auch die Menschen, die mit ihnen arbeiten. Deshalb schafft der Urban Stack Transparenz, unterstützt Kommunen beim Aufbau eigener Governance-Strukturen und sensibilisiert Mitarbeitende sowie Stadtgesellschaft für den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Lösungen und Daten.

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