Gewinner in der Kategorie „Interne Verwaltungsanwendungen“
Im Gespräch mit Katja Helfert vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung
1. Was bedeuten die Auszeichnungen aus Community- und Jury-Voting beim Open Source Wettbewerb für Sie und Ihr Team?
Die Auszeichnungen bedeuten für uns in erster Linie Wertschätzung für unser aller Engagement und bereiten uns daher große Freude! Daneben sorgen sie für Aufmerksamkeit und Interesse auf vielen Ebenen (sowohl intern als auch extern) für die Möglichkeiten und Wege, Open Source einzusetzen. Außerdem bestätigen die Auszeichnungen, dass wir mit dem modernen Ansatz des GSB 11 und der konsequenten Nutzung von Open Source den richtigen Weg eingeschlagen haben. Besonders wertvoll ist hierbei, dass sowohl die Community als auch die Fachjury unser Projekt ausgezeichnet haben – das zeigt uns, dass wir nicht nur technisch überzeugen, sondern auch echten Mehrwert für die Open Source-Landschaft schaffen. Das motiviert uns, die Verwaltungsdigitalisierung weiterhin nachhaltig zu gestalten. Wir und unser Team sind stolz darauf, hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten zu können.
2. Können Sie Ihr Projekt kurz vorstellen?
Der GSB 11 ist das neue, vollständig auf Open Source basierende Content Management System (CMS) des Bundes für moderne, barrierefreie und sichere Webauftritte der öffentlichen Verwaltung. Er wird im Rahmen des Programms Dienstekonsolidierung Bund (DKB) entwickelt. Die Projektverantwortung liegt beim Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) in enger Zusammenarbeit mit dem Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund). Technisch baut der GSB 11 auf dem Open Source Kernsystem TYPO3 auf, das fortlaufend weiterentwickelt und entsprechend den Anforderungen des Bundes optimiert wird. Das CMS kann jedoch auch außerhalb der Bundesverwaltung nachgenutzt und vielfältig eingesetzt werden.
2. Wie ist der derzeitige Stand?
Derzeit haben wir die Phase des Wirkbetriebs erreicht, gleichzeitig findet eine stetige Weiterentwicklung des CMS statt: Während erste Releases bereits nach Abschluss der Pilotierungsphase Anfang 2024 ausgebracht wurden, wird der GSB 11 weiterhin um neue Funktionen erweitert, daneben wird er kontinuierlich mit Blick auf UX- und Barrierefreiheits-Aspekte überarbeitet. Aktuell bereiten wir die breite Einführung bei weiteren Behörden vor. Mit dem kürzlich vollzogenen Upgrade auf die Version 13 von TYPO 3 wurde ein weiterer wichtiger Meilenstein erreicht.
4. Welche Herausforderungen haben Sie bei der Umsetzung gemeistert?
Mit dem Projekt GSB 11 haben wir Neuland betreten. Die Zusammenarbeit mit bzw. die Einbettung in die Open Source Community erfordert von uns ein Umdenken in unserer Arbeit, da die Prozesse in der Bundesverwaltung nicht darauf ausgelegt sind.
Zu den größten Herausforderungen zählten die Modernisierung einer gewachsenen Systemlandschaft und die Integration moderner Open Source-Technologien in die IT-Infrastruktur des Bundes. Gleichzeitig galt es, die Zusammenarbeit zwischen zahlreichen Stakeholdern und Fachbereichen zu koordinieren. Durch transparente Prozesse, enge Abstimmungen und konsequente Qualitätssicherung konnten wir diese Aufgaben erfolgreich meistern.
Besonders anspruchsvoll war es, ein System zu entwickeln, das die hohen Anforderungen der Verwaltung an Sicherheit, Barrierefreiheit und Skalierbarkeit erfüllt und zugleich Raum für Weiterentwicklung bietet. Parallel dazu wollten wir eine offene Community rund um ein Behördenprodukt aufbauen – ein kultureller Wandel, der viel Austausch und Offenheit erfordert. Beides ist gelungen und bildet heute die Grundlage für die moderne, zukunftsfähige Lösung.
3. Läuft das Projekt aktuell noch? / 6. Sind bereits nächste Schritte geplant? / 7. Welche Weiterentwicklungen oder zukünftigen Vorhaben stehen an?
Ja, das Projekt läuft noch, und die nächsten Schritte sind bereits klar: Der Fokus liegt nun auf der weiteren Produktreife und der kontinuierlichen Verbesserung und Erweiterung von Funktionalitäten auf Basis der engen Zusammenarbeit mit den Nutzenden.
Im Jahr 2026 richtet sich die Weiterentwicklung des GSB 11 vor allem auf eine verbesserte Nutzererfahrung sowie die Kommunikation und Zusammenarbeit mit der Open Source Community. Gleichzeitig soll die Nachnutzung in Ländern, Kommunen und weiteren Institutionen gestärkt werden. Besonders wichtig bleiben Barrierefreiheit, umfassende UI- und UX-Optimierungen sowie die Ergänzung einzelner Module und Schnittstellen, um die Integration mit anderen Fachverfahren zu erleichtern.
Insgesamt setzt der GSB 11 damit auf mehr Nutzendenorientierung, technische Offenheit und ein strukturiertes, nachhaltiges Wachstum.
8. Kann die Öffentlichkeit Ihr Projekt unterstützen?
Da der GSB 11 auf Open Source setzt, lebt das Projekt von Transparenz, Austausch und breiter Beteiligung. Jede Form von konstruktiver Rückmeldung, jeder Beitrag und jede Diskussion stärken das Projekt und seinen Nutzen für die breite Nachnutzung. Alle Personen, die eine Website aufsetzen wollen, können sich den GSB 11 auf Open CoDE (Link?) herunterladen und im Selbsthosting nutzen. Mittelfristig sollen auch Code-Beiträge (via Merge Requests auf OpenCode) möglich sein. Hier freuen wir uns über rege Nutzung und Feedback.
9. Wie kann die Community Ihr Projekt unterstützen?
Die Community kann das Projekt auf vielfältige Weise unterstützen: durch das Melden von Issues sowie durch die Entwicklung eigener Module oder Erweiterungen. Daneben ist Feedback zu Funktionen, Usability und Nutzererfahrungen wertvoll, ebenso wie das Teilen von Best Practices, Beispielen und konkreten Anwendungsfällen.
Über die Rahmenverträge sind Agenturen aus der Community direkt an Migrationen und der Entwicklung beteiligt. Zudem sind stets Beiträge durch die Teilnahme an unseren Reviews möglich und willkommen.
Jeder Beitrag – ob technisch, organisatorisch oder inhaltlich – stärkt das Ökosystem und hilft dabei, den GSB als nachhaltiges, gemeinschaftlich getragenes Open Source-Projekt weiter auszubauen.
