Open Source in der öffentlichen Verwaltung
Warum Open Source für die öffentliche Verwaltung?
Die öffentliche Verwaltung steht unter doppeltem Druck: Sie soll Prozesse digitalisieren und gleichzeitig die Kontrolle über ihre Daten und Systeme behalten. Genau hier setzt Open Source an. Offene Software reduziert kritische IT-Abhängigkeiten von einzelnen, oft außereuropäischen Anbietern und gibt Behörden die Hoheit über ihre digitale Infrastruktur zurück.
Drei Entwicklungen machen das Thema gerade jetzt dringlich. Erstens steigen die Lizenzkosten proprietärer Software kontinuierlich, während die Budgets im öffentlichen Sektor begrenzt bleiben. Zweitens verschärfen geopolitische Spannungen die Frage, wie abhängig kritische Verwaltungsprozesse von einzelnen Konzernen sein dürfen. Drittens erwarten Bürgerinnen und Bürger zunehmend Transparenz darüber, wie Behörden mit ihren Daten umgehen. Open Source beantwortet alle drei Fragen: Der offene Quellcode ist nachprüfbar, herstellerunabhängig und langfristig kostenkontrollierbar.
Vorteile von Open Source im öffentlichen Sektor
- Digitale Souveränität: Keine Abhängigkeit von einzelnen Anbietern oder außereuropäischen Konzernen. Behörden behalten die Kontrolle über ihre Systeme.
- Kostentransparenz: Keine Lizenzgebühren pro Arbeitsplatz. Die Betriebskosten werden planbar und lassen sich über Jahre kalkulieren.
- Sicherheit und Datenschutz: Offener Code bedeutet mehr Augen auf potenziellen Schwachstellen. Sicherheitslücken werden offen dokumentiert und schneller geschlossen.
- Anpassbarkeit: Lösungen lassen sich exakt an die jeweiligen Verwaltungsprozesse anpassen, statt Prozesse an eine starre Software anzupassen.
- Nachhaltigkeit: Was eine Kommune entwickelt, können andere nachnutzen. Das Prinzip “Public Money, Public Code” vermeidet teure Doppelentwicklungen.
Digitale Souveränität als gemeinsames Ziel
Hinter dem Trend zu offener Software steht ein starkes Netzwerk. Die Open Source Business Alliance (OSB Alliance) setzt sich dafür ein, Open Source und offene Standards in der öffentlichen Beschaffung zu etablieren. Das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) stellt Bund, Ländern und Kommunen quelloffene Lösungen bereit und reduziert so gezielt kritische IT-Abhängigkeiten.
Dieses Zusammenspiel aus Wirtschaft, Verwaltung und Entwickler-Community ist entscheidend. Denn digitale Souveränität gelingt nicht im Alleingang, sondern durch gemeinsame Standards, nachnutzbaren Code und den offenen Austausch über Best Practices zwischen den Verwaltungen.
Kategorien des Open Source Wettbewerbs
1
Fachverfahren
Open Source-Lösungen, die Verwaltungsleistungen für Bürger und Unternehmen effizienter gestalten und digitale Prozesse transparent sowie serviceorientiert unterstützen.
2
Interne Verwaltungsanwendungen
Open Source-Lösungen, die interne Prozesse in der Verwaltung, öffentlichen Unternehmen und Institutionen effizienter und moderner gestalten.
3
Transformation
Open Source-Strategien, die digitale Prozesse in der Verwaltung nachhaltig modernisieren und organisatorische Strukturen zukunftsfähig weiterentwickeln.
4
Künstliche
Intelligenz
Open Source-basierte KI-Lösungen, die Daten intelligent analysieren, Verwaltungsprozesse unterstützen und fundierte Entscheidungen vorbereiten.
Meilensteine des Open Source Wettbewerbs
1
Einreichungsphase
03.03.2026 – 15.07.2026
2
Evaluierung & Bewertung Jury
15.07.2026 – 31.08.2026
3
Öffentliches Community-Voting
01.09.2025 – 30.09.2026
4
Preisverleihung Smart Country Convention
15.10.2026
Häufige Fragen zu Open Source in der öffentlichen Verwaltung
Was bedeutet Open Source in der öffentlichen Verwaltung?
Open Source in der öffentlichen Verwaltung bezeichnet den Einsatz von Software, deren Quellcode offen einsehbar, nutzbar und veränderbar ist. Behörden können die Software prüfen, an ihre Prozesse anpassen und gemeinsam mit anderen weiterentwickeln, statt an einen einzelnen Hersteller gebunden zu sein. Damit verschiebt sich die Rolle der Verwaltung vom reinen Software-Konsumenten hin zum aktiven Mitgestalter ihrer eigenen digitalen Infrastruktur.
Welche Behörden nutzen bereits Open Source?
Open Source ist auf allen Ebenen im Einsatz, vom Bund über die Länder bis zu einzelnen Kommunen. Verwendet werden offene Lösungen etwa für Büro- und Kollaborationssoftware, Videokonferenzen, Cloud-Infrastruktur und Fachverfahren.
Einige Bundesländer treiben den Umstieg auf offene Arbeitsplatzlösungen aktiv voran, und auch der Bund baut mit eigenen Initiativen quelloffene Alternativen auf. Welche Projekte besonders wegweisend sind, zeigt jedes Jahr der Open Source Wettbewerb.
Welche Vorteile hat Open Source für Kommunen?
Kommunen profitieren von planbaren Kosten ohne Lizenzgebühren pro Arbeitsplatz, von der Unabhängigkeit gegenüber einzelnen Anbietern und von der Möglichkeit, Lösungen anderer Kommunen nachzunutzen.
Nach dem Prinzip “Public Money, Public Code” muss eine einmal entwickelte Lösung nicht in jeder Verwaltung neu beauftragt und bezahlt werden. Gerade kleinere Kommunen mit knappen IT-Budgets können so von der Vorarbeit anderer profitieren.
Ist Open Source Software sicher genug für Behörden?
Ja. Durch den offenen Quellcode können Sicherheitslücken von einer breiten Community und von unabhängigen Stellen geprüft werden. Schwachstellen werden transparent dokumentiert und oft schneller behoben als bei proprietärer Software. Zudem behalten Behörden die Kontrolle darüber, wo und wie ihre Daten verarbeitet werden, ein wichtiger Faktor für Datenschutz und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.
Was bedeutet digitale Souveränität in diesem Zusammenhang?
Digitale Souveränität bedeutet, dass die Verwaltung die Kontrolle über ihre IT-Systeme, Daten und Prozesse behält. Sie kann Anbieter frei wählen oder wechseln und gerät nicht in einen Vendor-Lock-in, aus dem ein Ausstieg nur mit hohen Kosten möglich wäre. Open Source ist dafür eine zentrale Voraussetzung, weil der offene Code Unabhängigkeit und Nachprüfbarkeit garantiert.
Was heißt "Public Money, Public Code"?
Das Prinzip besagt: Software, die mit öffentlichen Geldern entwickelt wird, sollte auch öffentlich als Open Source verfügbar sein. So können andere Verwaltungen die Lösung kostenfrei nachnutzen und weiterentwickeln, statt jede Entwicklung mehrfach zu bezahlen. Das vermeidet teure Doppelentwicklungen und stärkt zugleich Transparenz und Zusammenarbeit zwischen Behörden.
Ist Open Source Software wirklich kostenlos?
Die Software selbst ist in der Regel lizenzkostenfrei, es entstehen aber Kosten für Einführung, Betrieb, Anpassung und Support. Der Vorteil liegt in der Transparenz und Planbarkeit dieser Kosten sowie im Wegfall wiederkehrender Lizenzgebühren pro Nutzer. Über mehrere Jahre betrachtet ist der Gesamtaufwand dadurch oft besser kalkulierbar als bei proprietären Modellen.
Wie gelingt der Umstieg auf Open Source in der Verwaltung?
Der Umstieg gelingt am besten schrittweise. Viele Verwaltungen beginnen mit einzelnen Anwendungen oder Pilotprojekten, sammeln Erfahrungen und weiten den Einsatz dann aus.
Wichtig sind eine klare Strategie, die Einbindung der Mitarbeitenden und verlässliche Dienstleister für Einführung und Support. Der Austausch mit anderen Behörden, die den Weg bereits gegangen sind, beschleunigt den Prozess erheblich.
Wer kann am Open Source Wettbewerb teilnehmen?
Teilnehmen können öffentliche Verwaltungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, die Open Source Software einsetzen oder entwickeln. Eingereicht werden können Projekte in den vier Kategorien Fachverfahren, Interne Verwaltungsanwendungen, Transformation und Künstliche Intelligenz.
Bis wann kann ich mein Projekt einreichen?
Die Einreichungsphase für den Open Source Wettbewerb 2026 läuft vom 03.03.2026 bis zum 15.07.2026. Im Anschluss folgen die Jury-Bewertung, das öffentliche Community-Voting und die Preisverleihung auf der Smart Country Convention am 15.10.2026.







